Diabetes Diät

Die Diabetes-Diät

Grundsätzlich gelten für Menschen mit Diabetes die gleichen Empfehlungen für eine gesunde Ernährung wie für die allgemeine Bevölkerung. Der Diabetes mellitus ist eine chronische Stoffwechselstörung, die mit einem erhöhten Blutzuckerspiegel einhergeht. Ernährung spielt bei Diabetes eine Schlüsselrolle. In der Vergangenheit gab es eine strenge und komplizierte Diabetes-Diät. Wir wissen heute, dass es am besten ist, wenn sich ein Diabetiker so gesund ernährt, wie es jeder sollte.

Diabetes des Typs 2 ist geheilt - ohne Medikation

Die kürzlich im Lanzet veröffentlichte Untersuchung belegt die langjährige Erfahrung mit qualitativ hochstehenden Daten: Der Diabetes Mellitus vom Typ 2 muss kein Leben slanges Leben sein, aber eine Kur ist möglich - ohne Chirurgie, ohne Diabetes, ohne Insulin und ohne Diabetiker. Die von Diabetes England finanzierte und nun von den Forschern von Diabetes Deutschland ( "Diabetes Remission Klinische Studie") von Dr. med. Michael Lean und Dr. med. Roy H. G. Taylor präsentierte DiRECT-Studie konzentrierte sich auf ein von Hausärzten unterstütztes Programm zur radikalen Gewichtsreduktion.

Darin zeigt sich die These von Royal Wayne Caylor, dessen "Twin Cycle"-Hypothese besagt, dass das wichtigste krankhafte Problem des Typ-2-Diabetes die Fettleibigkeit von Haut und Pankreas ist - und genau diese Fettleibigkeit wird mit der hier betrachteten sogenannten "Conterweight Plus"-Diät eliminiert. Der Gedanke einer primär diätetischen Behandlung von Typ-2-Diabetes ist jedoch alles andere als ein Novum - deshalb ist die Medienaufregung um die Ergebnisse der Studie etwas überraschend.

Im derzeitigen Therapieschema der National Guidelines for Type 2 Diabetes Care steht daher die so genannte "Basistherapie" mit Patiententraining, Bewegungstherapie und Bewegungstherapie an erster Stelle und damit vor dem Start jeder Arzneimitteltherapie. In Anbetracht der bekanntermaßen nahezu regelmäßigen Probleme, Diabetiker mit Diabetes Type 2 zu einer dauerhaften Lebensstiländerung einschließlich eines effektiven Ernährungs- und Gewichtsmanagements zu ermutigen, wird diese Richtlinienempfehlung jedoch oft beinahe als "pro forma" erachtet.

Die vorliegenden Untersuchungsergebnisse belegen jedoch, dass diese Lebensstiländerungen nicht nur theoretisch zu empfehlen sind, sondern dass mit ihrer konsequente Anwendung ein sehr großer Teil der Diabetes Type 2 Krankheiten nahezu ausheilbar ist. Die Resultate sollten daher nicht nur aus patientenbezogener, sondern vor allem aus gesundheitspolitischer Hinsicht zwingend zu handfesten Massnahmen fuehren; dies verdeutlicht nicht nur das beachtliche Therapie-, sondern vor allem auch das grosse praeventive Potential von diaetetischen Massnahmen.

Es wurden 298 Übergewichtige mit Diabetes des Typs 2 (Alter 20 - 65 Jahre, KMI 27 - 45 kg/m²) in 49 Arztpraxen behandelt. Vor sechs Jahren wurde die Diabetesdiagnose gestellt. Dies ist vor dem Hintergund von Bedeutung, dass Diabetes in fortgeschrittenen Stadien der Erkrankung aufgrund der Beschädigung der insulinproduzierenden Pankreaszellen schwieriger nicht mehr umkehrbar ist.

Es wurde stichprobenartig ermittelt, ob eine beteiligte Arztpraxis das "Gegengewichts-Plus-Programm" oder die Standardbehandlung für ihre Patientinnen und Patienten durchführt. Bei den Patientinnen und Patienten der Standardbehandlung wurde eine antidiabetische Behandlung nach den Richtlinien und ggf. eine Bluthochdrucktherapie durchgeführt. Eine Ernährungstherapie in der Eingreifgruppe hingegen setzte ein: In den ersten drei bis fünf Monaten mussten die Probanden ganz auf herkömmliche Speisen verzichtet und sich ganz von oraler Trinknahrung ernähren.

Der Kalorienverbrauch dieser Diäten lag bei 825 - 853 Kilokalorien pro Tag (59 E% Kohlehydrate, 13 E% Fette, 25 E% Proteine); außerdem haben die Patientinnen zu Anfang der Diät sowohl ihre blutdrucksenkende als auch antihypertensive Medizin abgesetzt. Anschließend sollten die Patientinnen und Patienten eigenständig eine normale Ernährung weiterführen, wodurch sie mit einer einmal im Monat stattfindenden Diätberatung betreut wurden.

Die Patientinnen und Patienten wurden außerdem ermutigt, sich während der ganzen Studiendauer verstärkt körperlich zu betätigen. Diabetesreduktion ( "Diabetesheilung") wurde nach zwölfmonatiger Behandlung ohne Antihypoglykämie als HbA1c-Wert von weniger als 6,5% festgelegt. Unter den 149 Teilnehmern pro Studiengruppe haben 129 Personen in der Ernährungsgruppe (86%) und 147 Personen in der Vergleichsgruppe (99%) nach 12-monatiger Behandlung an der Schlussuntersuchung teilgenommen.

Bei 24 % der Patientinnen in der Ernährungsgruppe wurde eine Gewichtsreduzierung von mind. 15 Kilogramm erreicht, jedoch keine Patientinnen in der Vergleichsgruppe. In der Studiendauer von einem Jahr wurde eine durchschnittliche Gewichtsreduzierung von 10 Kilogramm in der Ernährungsgruppe und 1 Kilogramm in der Vergleichsgruppe erreicht. Waehrend 46% der Patientinnen und Patienten in der Gruppe nach einem Jahr eine Diabetesremission hatten, hatten nur 4% der Patientinnen und Patienten in der Gruppe der kontrollierten Diabetiker eine Diabetesremission.

Die Ernährungstherapie war in der Statistik etwa 20-mal so gut wie die herkömmliche Primärversorgungstherapie (Odds Ratio: 19,7). Vor dem Hintergrund dieser einschneidenden Daten muss noch einmal deutlich gemacht werden, dass die Patientinnen und Patienten im Kontrollkreis keine Behandlung erhalten haben, sondern die auch in unserem Land gebräuchliche und unseren Richtlinien entsprechende Standard-Medikamententherapie mit Antidiabetikern. Die weitere Untersuchung zeigte, dass der Erfolg der Behandlung im Verhältnis zum Gewichtsverlust der Patientinnen stand: Während keiner der Patientinnen, die an Gewicht zugelegt hatten, eine Diabetesremission erzielte, nahm der Prozentsatz der Diabetesremission unmittelbar mit dem Umfang der Gewichtsreduzierung zu:

Übrigens: Die Gewichtsreduzierung hat auch zu einer signifikant höheren Qualität des Lebens und einem so guten Blutdruckverlauf geführt, dass etwa die Hälfte der Patientinnen und Patienten nach Abschluss der Untersuchung komplett auf Blutdrucksenker verzichtet werden konnte. Zudem hatte der Diäteingriff kaum Nebenwirkungen; nur ein einziger Kranker hatte eine biliäre Kolik (vermutlich ernährungsbedingt), aber dieser Kranke fuhr die Behandlung auch danach nach.

Keine Patientin in der Eingriffsgruppe hat die Ernährungstherapie wegen schwerwiegender Nebenwirkungen abgebrochen. Die Patientinnen und Patienten werden nun überwacht, um die weitere Entwicklung von Gewicht und Diabetes zu überwachen. Einst Diabetes - immer Diabetes? Nach wie vor gilt: "Einmal Diabetes - immer Diabetes". Dies ist bei Typ-1-Diabetes der Fall. Auch in der täglichen Routine bestätigt sich diese Einschätzung für Typ-2-Diabetes, aber die Ursachen für diesen Zusammenhang liegen wohl nicht in der speziellen Symptomatik, sondern in den zuvor ausgewählten, unzulänglichen (medizinischen) Behandlungskonzepten.

Wenn man sich dagegen ausspricht, dass der hier vorgenommene Ernährungseingriff - vor allem in den ersten Lebensmonaten der puren Formeldiät - recht einschneidend ist: Das ist richtig, aber auch die Alternative wie z. B. Adipositas, Jahrzehnte der medikamentösen Therapie oder langfristige Gesundheitsfolgen von Typ-2-Diabetes. In Anbetracht dieser Zahlen muss auch die viel zu häufig gemachte Feststellung in Frage gestellt werden, dass es sehr schwierig ist, Menschen mit Typ-2-Diabetes zu einer dauerhaften Veränderung ihrer Essgewohnheiten zu veranlassen.

Natürlich ist es etwas anderes, einem Übergewichtigen zwischen der Türe und der Angelrute zu sagen: "Zieh etwas aus! Dass selbst drastischere Diätkonzepte mit einer hohen Therapietreue umsetzbar sind, wenn die Diät kompetent betreut und gefördert wird, beweist eher die sehr kleine Abbruchrate in der Diätgruppe. Das wird durch einen Vergleich der in der Untersuchung erfassten Lebensbedingungen (EuroQoL-5-Skala) bestätigt: Während sich die Lebensbedingungen in der interventionellen Arbeitsgruppe (d.h. trotz der einschneidenden Diät!) über den ganzen Beobachtungszeitraum signifikant verbessert haben, wurde in der Vergleichsgruppe mit der Standard-Medikamententherapie eine deutliche Beeinträchtigung der Lebensbedingungen beobachtet.

Dies ist sicher beachtlich, denn ein wesentlicher Grund, der meist gegen solche Ernährungsprogramme angeführt wird, ist die (postulierte) Verschlechterung der Lebensbedingungen durch die Diät. Diese Behauptung wurde auch in der vorliegenden Untersuchung en passant wiederlegt. Eine Diät, wie sie im Zusammenhang mit der DiRECT-Studie durchgefÃ?hrt wurde, ist schon kompliziert und kostspielig, aber beides ist auch langfristig die arzneilich wirksame Diabetestherapie.

Es gibt natürlich effektive Wege der "Hilfe zur Selbsthilfe", um den Typ-2-Diabetes abzulegen. Die knappen Mittel im Gesundheitswesen würden sicher um ein Mehrfaches effektiver in diätetische Interventionsprogramme fließen als in die Neuentwicklung und Vermarktung von immer neuen Antidiabetikern oder in die Bekämpfung potentiell zu vermeidender Nachwirkungen. Das Ergebnis der DiRECT-Studie liefert weitere valide Gründe für eine einschneidende Wende in der Diabetestherapie (und Prävention!).

Die gesundheitspolitische Umsetzung dieser Ergebnisse - z.B. als Unterstützung für entsprechende Ernährungsinterventionen - ist bedauerlicherweise mehr als wenig wahrscheinlich.

Mehr zum Thema