Allgemeine Informationen für Erwachsene. Keine individuelle Behandlung, Diagnose oder Dosierungsempfehlung. Fragen zu Arzneimitteln, möglichen Nebenwirkungen und Wechselwirkungen gehören in eine ärztliche oder pharmazeutische Beratung.
Gespräche über Diäten, soziale Medien und Werbung können dazu führen, dass du deinen Körper ständig bewertest. Das belastet dein Verhältnis zum Essen und dein Wohlbefinden. Körperideale und Vergleiche begünstigen bei manchen Menschen ein verzerrtes Selbstbild, erklären eine Essstörung aber nicht allein.
Begrenze belastende Einflüsse im Alltag und nimm Veränderungen beim Essen oder Denken ernst. Du brauchst weder eine bestimmte Kleidergröße noch einen auffälligen BMI, um Unterstützung zu suchen.
Was Zahlen über Körperunzufriedenheit zeigen
Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper ist nicht automatisch eine Essstörung. Eine RKI-Auswertung ergab, dass 38,6 Prozent der Frauen ihr Gewicht als zu hoch einschätzten. Etwa ein Viertel der Männer hielt sich für zu dünn, ein weiteres Fünftel für zu dick. Die Daten stammen aus der Erhebung DEGS1 und beschreiben das subjektive Gewichtsempfinden, keinen aktuellen Trend und keine Diagnose (Griger et al., 2015).
In einer deutschen Online-Befragung aus dem Jahr 2023 fiel der SCOFF-Fragebogen bei 19,6 Prozent der Befragten ab 16 Jahren positiv aus. SCOFF ist ein kurzes Screening, das Hinweise auf ein mögliches Essproblem erfasst. Ein positiver Wert stellt keine ärztliche Diagnose dar. Die Befragung umfasste außerdem auch Jugendliche und lässt sich deshalb nicht unmittelbar als Anteil unter Erwachsenen lesen (König et al., 2024).
In derselben Befragung waren positive Screeningwerte bei Menschen mit stärkerer Unzufriedenheit mit ihrem Gewicht häufiger. Die Befragung zeigt einen Zusammenhang, belegt aber nicht, dass Unzufriedenheit allein eine Essstörung verursacht. Auch das Gewicht auf der Waage sagt für sich genommen wenig darüber aus, ob jemand betroffen ist.

Wie Medien Druck verstärken
Bilder und Beiträge über Fitness, Ernährung oder Aussehen können bestimmte Körperformen als allgemeingültiges Ideal erscheinen lassen. Wer solche Maßstäbe übernimmt, vergleicht sich möglicherweise häufiger mit ihnen. Eine deutsche Studie mit 647 Teilnehmenden fand einen Zusammenhang zwischen der Beschäftigung mit Gesundheits- und Fitnessaccounts und stärker ausgeprägten orthorektischen Ess-Tendenzen. Damit sind starre Vorstellungen von „gesundem“ Essen gemeint, die den Alltag belasten können. Die Studie belegt keine Ursache-Wirkung und bildet nicht alle Erwachsenen in Deutschland ab (Scheiber, Diehl und Karmasin, 2023).
Du kannst prüfen, wie sich einzelne Inhalte auf dich auswirken. Wenn ein Konto regelmäßig Scham, Unruhe oder den Drang zu extremen Maßnahmen auslöst, entfolge ihm oder schalte es stumm. Achte auch darauf, ob Beiträge individuelle Körper als Norm darstellen, Gesundheit mit einem bestimmten Aussehen gleichsetzen oder gleichzeitig Produkte verkaufen. Nutze das als persönliche Orientierung, nicht als diagnostischen Test.
Medien sind nur einer von mehreren möglichen Einflüssen. Gesellschaftliche Erwartungen, das persönliche Umfeld und weitere Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Es liegt deshalb nicht allein an dir, den Druck durch eine bessere Auswahl von Inhalten zu beseitigen.
Grenzen bei Diätgesprächen setzen
Du kannst Gespräche über Gewicht, Kalorien oder Diäten freundlich beenden. Zum Beispiel: „Ich möchte gerade nicht über mein Gewicht sprechen.“ Wenn eine nahestehende Person dich beunruhigt, sprich deine Sorge ohne Vorwürfe an. Konzentriere dich auf das, was du beobachtest, und vermeide Kommentare über Gewicht oder Figur.
Wohlbefinden und Selbstwert hängen nicht an einer Zahl. Ein BMI allein zeigt nicht, ob eine Essstörung vorliegt. Bei Bulimie oder Binge-Eating kann das Gewicht beispielsweise im Normalbereich liegen. Umgekehrt bedeutet Unzufriedenheit mit dem eigenen Körper für sich genommen keine Erkrankung.
Abnehmprodukte richtig einordnen
Arzneimittel, Medizinprodukte, Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel unterliegen unterschiedlichen Regeln. Ein Arzneimittel ist für eine bestimmte medizinische Anwendung zugelassen. Ein Medizinprodukt hat einen festgelegten medizinischen Zweck und wirkt auf eine andere Weise als ein Arzneimittel. Nahrungsergänzungsmittel zählen rechtlich zu den Lebensmitteln. Auch wenn für ein Lebensmittel eine gesundheitsbezogene Angabe zugelassen ist, heißt das nicht, dass ein bestimmtes Produkt für dich geeignet ist.
Die EU lässt gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln nur unter festgelegten Bedingungen zu. Ein Beispiel aus der Verordnung (EU) Nr. 432/2012 betrifft Glucomannan: Die Angabe, es trage im Rahmen einer energiereduzierten Ernährung zur Gewichtsabnahme bei, ist an konkrete Verwendungsbedingungen geknüpft. Dazu gehören eine bestimmte tägliche Menge und die Einnahme mit ausreichend Wasser. Diese Bedingungen stehen in einer konsolidierten Fassung der Verordnung vom 21. April 2015. Für die aktuelle Rechtslage ist deshalb die geltende EU-Liste maßgeblich.
Eine solche Angabe bezieht sich auf eine Zutat und ihre Bedingungen. Sie ist keine Garantie für Gewichtsverlust und keine pauschale Aussage über alle Abnehmprodukte. Wenn Werbung ein Nahrungsergänzungsmittel als Ersatz für medizinische Beratung oder als sichere Lösung für ein Körperideal darstellt, solltest du besonders kritisch sein. Bei konkretem medizinischem Bedarf besprich Ernährung oder Gewichtsveränderungen mit einer Ärztin, einem Arzt oder einer qualifizierten Ernährungsfachkraft.

Wann du Hilfe suchen solltest
Hol dir fachlichen Rat, wenn Essen, Gewicht oder Figur immer mehr Raum einnehmen, dein Selbstwert stark davon abhängt oder sich dein Essverhalten deutlich verändert. Auch ständige Sorge vor Gewichtszunahme, strenge Essregeln oder ein zunehmender Rückzug aus dem Alltag sind Gründe, Unterstützung zu suchen. Einzelne Merkmale beweisen keine Essstörung. Eine Fachperson kann die Lage einordnen.
In Deutschland bietet das Beratungstelefon des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) Betroffenen und Angehörigen eine vertrauliche Erstberatung und Hinweise auf weitere Angebote. Du erreichst es unter 0221 892031, montags bis donnerstags von 10 bis 22 Uhr sowie freitags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr. Das Gespräch ist kostenlos; für den Anruf können Gebühren zum Kölner Ortsnetztarif anfallen.
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